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„Es kommt nicht darauf an, wie eine Geschichte anfängt.
Auch nicht darauf, wie sie aufhört.
Sondern auf das, was dazwischen passiert.“

- Walter Moers

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Wenn eigentlich alles stimmt und trotzdem etwas fehlt – was hinter diesem Gefühl stecken kann

Person sitzt allein am Wasser und blickt nachdenklich in die Ferne, Symbolbild für diffuse Unzufriedenheit in der Beziehung (Bild vergrößern)
Bild zur Meldung: Person sitzt allein am Wasser und blickt nachdenklich in die Ferne, Symbolbild für diffuse Unzufriedenheit in der Beziehung

Da ist dieses Gefühl, das sich kaum greifen lässt und das sich einfach nur eingeschlichen hat. Einfach so, ohne lauten Knall oder ähnliches. 

Man ist unzufrieden, ohne genau zu wissen, warum. Häufig genervt, obwohl eigentlich kein Grund dafür da zu sein scheint. Dabei stimmt doch scheinbar so viel: Der Job läuft gut, mit den Kindern kommt man zurecht - sie sind auf einem guten Weg. Finanziell ist man abgesichert, und auch mit dem Partner oder der Partnerin gibt es kaum Streit. Trotzdem fehlt etwas, das sich nicht benennen lässt.

Vielleicht ertappt man sich dabei, traurig zu sein, ohne konkreten Anlass. Oder man merkt, dass einem die Lust fehlt, sich mit dem Partner oder der Partnerin über Dinge auszutauschen, über die man früher gesprochen hat. Man lebt eher nebeneinanderher, statt gemeinsam Zeit zu genießen, sich zu erzählen, was einem durch den Kopf geht, oder Zukunftsbilder zu entwerfen. Im Hinterkopf - kaum zugelassen - taucht manchmal ein Gedanke auf: War die Entscheidung für diesen Partner, diese Partnerin, eigentlich richtig? Ein Gedanke, den man sich selbst kaum zu denken erlaubt.

 

Was sich zeigt, wenn man genauer hinschaut

 

In der Beratung ist die Beziehung bei diesem diffusen Gefühl häufig nicht "das" Problem im klassischen Sinn. Trotzdem leistet sie oft keinen unterstützenden Beitrag mehr. Die eigenen Herausforderungen, der Alltag und die vielen Anforderungen kosten Zeit und Kraft, die dann für die Beziehung fehlt. So verkümmert sie langsam und wird schließlich als zusätzlicher Ballast erlebt anstatt als wertvollen Rückhalt.

 

Ein Beispiel aus der Beratung, das diese Dynamik gut zeigt: Eine Frau hatte nach der Schule den nächstbesten Beruf gewählt, ohne dass er ihr wirklich entsprach. Für eine Weile spielte das keine Rolle, denn sie ging weitgehend in der Care-Arbeit für die Familie auf, was ihr gut gefiel. Doch die Kinder wurden größer, brauchten sie weniger, und die Unzufriedenheit wuchs. Sie wünschte sich beruflich noch einmal neu anzufangen. Ihr Partner war anderer Meinung. Sie bräuchte das doch gar nicht, sie seien finanziell ohnehin abgesichert. Zwischen den Zeilen kam bei ihr aber noch etwas anderes an: das Gefühl, er traue ihr diesen Neuanfang eigentlich gar nicht zu. So kam es, dass sie sich viele Gedanken über ihre Ehe machte und die oben erwähnten Zweifel in ihr aufkamen.

 

Bei genauerer Betrachtung steckten in diesem Beispiel am Ende gleich zwei Dinge hinter dem diffusen Unwohlsein: der unerfüllte Wunsch nach einer eigenen beruflichen Richtung, und das leise, aber schmerzhafte Gefühl, vom eigenen Partner nicht für fähig gehalten zu werden. 

 

Wenn aus Grübeln Gestalten wird

 

Sobald sich ein solcher Wunsch klarer zeigt, verändert sich auch die Art des Nachdenkens. Aus dem Grübeln über das, was nicht stimmt und ob der Partner bzw. die Partnerin tatsächlich „die Richtige“ ist, wird eine konkrete, übergeordnete Frage: Was wäre eigentlich möglich, wenn alles machbar wäre? Und daraus folgen weitere: Welcher nächste kleine Schritt würde in diese Richtung führen? Welche Gegebenheiten sind tatsächlich schon vorhanden und welche Hindernisse könnten auf dem Weg auftauchen?

 

Die Partnerschaft spielt dabei weiterhin eine Rolle, allerdings nur noch als eine Frage von mehreren: Wie kommt man darüber miteinander ins Gespräch? Kann man aufeinander zählen? Der Beratungsprozess kreist an diesem Punkt kaum noch um die Erörterung dessen, was fehlt. Stattdessen richtet er sich darauf, was werden soll.

 

Was, wenn Ihnen das bekannt vorkommt?

 

Vielleicht kennen Sie dieses diffuse Gefühl, dieses Unwohlsein, für das es äußerlich betrachtet keinen rechten Grund zu geben scheint. Es ist leicht, es beiseitezuschieben, gerade weil auf den ersten Blick ja eigentlich alles stimmt. Aber genau dieses Gefühl ernst zu nehmen, statt es wegzuerklären, ist oft ein unangenehmer und dennoch wichtiger erster Schritt.

 

Was genau dahintersteckt, lässt sich oftmals nur schwer alleine herausfinden, da diese Unzufriedenheit nicht für alle ersichtlich auf unserer Stirn geschrieben steht. Auch ständig wiederholende Streitthemen  um vermeintliche Kleinigkeiten wie Haushalt oder Kindererziehung können dazu führen, sprichwörtlich den Wald vor lauter Bäumen nicht zu sehen (lesen Sie dazu gerne den vorhergehenden Artikel). Deshalb kann schlicht helfen, jemanden von außen an der Seite zu haben, der mit Ihnen gemeinsam entwirrt, was sich da eigentlich zeigt. So wie bei der Frau, die am Ende ihren beruflichen Weg neu für sich entdeckte. 

 

Wenn Sie mögen, begleite ich Sie gerne dabei, Ihre Gedanken zu entwirren und Ihre eigene Perspektive umzusetzen.

 

Elvira Heier ist Psychologin M.Sc. mit Schwerpunkt Beziehungsberatung im Rhein-Main-Gebiet